Die Digi­ta­li­sie­rung durch­dringt immer mehr Berei­che des priva­ten wie öffent­li­chen Lebens. Die baye­ri­sche Hoch­schul­land­schaft macht aktu­ell nur unzu­rei­chend von den viel­fäl­ti­gen Möglich­kei­ten Gebrauch, die die Digi­ta­li­sie­rung sowohl für den Einzel­nen als auch für Orga­ni­sa­tio­nen in ihrer Gesamt­heit bietet. Daher haben wir als Landes-ASten-Konfe­­renz, der Zusam­men­schluss der baye­ri­schen Studie­ren­den­ver­tre­tun­gen, folgen­de Posi­tio­nie­rung gefasst und möch­ten Denk­an­stö­ße für eine digi­ta­le und moder­ne Hoch­schu­le bieten. Die Domä­nen, in denen Digi­ta­li­sie­rungs­pro­zes­se an den Hoch­schu­len eine Rolle spie­len, sind viel­fäl­tig, sodass die Posi­tio­nie­rung sich in die Digi­ta­li­sie­rung der Berei­che „Lehre“, „Verwal­tung“, „Infra­struk­tur“, „Daten­schutz“ und „Digi­tal­stra­te­gie“ gliedert.

Digi­ta­li­sie­rung in der Lehre

Gera­de an den Hoch­schu­len gilt es, die Möglich­kei­ten digi­ta­ler Medi­en vermehrt für inno­va­ti­ve Lehr- und Lern­kon­zep­te zu nutzen, um unse­re akade­mi­schen Fach­kräf­te von morgen mit digi­ta­len Hand­lungs­kom­pe­ten­zen auszu­stat­ten. Viele moder­ne Erkennt­nis­se der Lern­theo­rie beschäf­ti­gen sich mit den Vortei­len des Einsat­zes digi­ta­ler Medi­en, sei es im Rahmen des E‑Learnings, ein durch den Einsatz von Infor­­ma­­ti­ons- und Kommu­ni­ka­ti­ons­mit­teln unter­stütz­ter Lern­pro­zess, oder des Blen­ded Lear­nings“, wobei in diesem das E‑Learning mit den Vortei­len der klas­si­schen Präsenz­leh­re kombi­niert wird. Von großem Vorteil kann ein ergän­zen­des digi­ta­les Ange­bot für Studie­ren­de sein, die aufgrund beson­de­rer Lebens­um­stän­de, wie Studie­ren mit Kind, Pfle­ge­ver­ant­wor­tung für Ange­hö­ri­ge oder einer chro­ni­schen Erkran­kung darin gehin­dert sind Präsenz­ver­an­stal­tun­gen zu besu­chen. Denn räum­lich unge­bun­de­ne und zeit­lich flexi­ble Kurs­an­ge­bo­te bauen Hürden ab und bieten diesen Perso­nen­grup­pen bedarfs­ge­rech­te­re Studi­en­be­din­gun­gen. Durch die Aufzeich­nung von Vorle­sun­gen sowie die anschlie­ßen­de Online­be­reit­stel­lung des Mitschnitts werden beispiels­wei­se Studie­ren­de entlas­tet, die an mehre­ren Hoch­schul­stand­or­ten studie­ren. Das Konzept ist außer­dem problem­los für Studie­ren­de über­trag­bar, die Studi­en­leis­tun­gen im Ausland erbrin­gen und gleich­zei­tig mit der Heima­t­hoch­schu­le in Verbin­dung blei­ben müssen. Hoch­schu­len, die sich für Studie­ren­de mit einem berufs­be­glei­ten­den Abschluss öffnen möch­ten, können durch die besse­re Verein­bar­keit von Studi­um und Beruf eben­falls von einem digi­ta­len Ange­bot profi­tie­ren. Die Virtu­el­le Hoch­schu­le Bayern geht mit dem Ausbau der klas­si­schen Online-Kurse und der Etablie­rung von Blen­­ded-Lear­­ning Modu­len einen Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung. Die dabei entste­hen­de Vernet­zung zwischen den Hoch­schu­len muss dabei einen noch höhe­ren Stel­len­wert einneh­men, als es bisher der Fall war. Dadurch wird nicht nur die Attrak­ti­vi­tät der Hoch­schu­len in Bayern gestärkt werden, sondern auch
die Ziele der Bolo­­gna-Reform, wie lebens­lan­ges Lernen und Mobi­li­täts­för­de­rung der Studie­ren­den, unterstützt.

Die Digi­ta­li­sie­rung erstreckt sich aller­dings nicht nur auf den Bereich der Vermitt­lung von Lehr­in­hal­ten, sondern bietet auch neue Möglich­kei­ten für die Prüfungs­ge­stal­tung. Bei elek­tro­ni­schen Prüfun­gen wird der Compu­ter als Einga­be­werk­zeug verwen­det, um die Prüfungs­leis­tung digi­tal abzu­neh­men. In Abhän­gig­keit von der jewei­li­gen Prüfungs­form können digi­ta­le Prüfun­gen unter ande­rem zur Stei­ge­rung der Kompe­tenz­ori­en­tie­rung bei anwen­dungs­ori­en­tier­ten Prüfun­gen beitra­gen. In Infor­ma­tik­stu­di­en­gän­gen können somit beispiels­wei­se Program­mier­auf­ga­ben praxis­nah in einer Entwick­lungs­um­ge­bung am Compu­ter gelöst werden. Aus Sicht der Lehren­den gestal­ten digi­ta­le Prüfun­gen durch (teil-)automatisierte Auswer­tung von beispiels­wei­se Antwort-Wahl-Verfah­­ren die Korrek­tur deut­lich effi­zi­en­ter. Hier­bei sind natür­lich Heraus­for­de­run­gen, wie eine faire und kompe­tenz­ori­en­tier­te Bewer­tung der Prüfungs­leis­tung trotz auto­ma­ti­sier­ter Auswer­tungs­me­tho­den, zu bewältigen.

Die tech­ni­schen Möglich­kei­ten für digi­ta­le Prüfun­gen sind durch­aus gege­ben, aller­dings sehen sich viele Hoch­schu­len mit orga­ni­sa­to­ri­schen Heraus­for­de­run­gen sowie recht­li­chen Frage­stel­lun­gen konfron­tiert, sodass die Zweck­dien­lich­keit digi­ta­ler Prüfun­gen bislang nur unzu­rei­chend über­prüft wurde. Die LAK Bayern sieht aufgrund dessen das Baye­ri­sche Staats­mi­nis­te­ri­um für Wissen­schaft und Kunst in der Verant­wor­tung in Zusam­men­ar­beit mit den Hoch­schu­len die recht­li­chen Grund­la­gen sowie stan­dar­di­sier­te Metho­den für digi­ta­le Prüfun­gen zu schaffen.

Eine essen­zi­el­le Metho­de zur Bewer­tung und Siche­rung der Quali­tät von Lehr­ver­an­stal­tun­gen stel­len Evalua­tio­nen dar. Diese werden aktu­ell zumeist analog in Form von papier­ge­stütz­ten Evalua­tio­nen, die teil­wei­se auch noch händisch ausge­wer­tet werden müssen, durch­ge­führt. Online-gestüt­z­­te Instru­men­te zur Evalu­ie­rung von Lehr­ver­an­stal­tun­gen bieten umfas­sen­de Vortei­le gegen­über analo­gen Werk­zeu­gen. Durch eine digi­ta­li­sier­te Evalua­ti­on wird es zudem erleich­tert, hoch­schul­wei­te, stan­dar­di­sier­te Bewer­tungs­in­stru­men­te einzu­set­zen, die in der Regel aufgrund von auto­ma­ti­sier­ten Auswer­tungs­schrit­ten auch noch Kosten redu­zie­ren können. Auch erlaubt eine online-basier­­te Evalua­ti­on eine höhe­re Evalua­ti­ons­fre­quenz, sodass abseits der in der Regel einmal pro Semes­ter für eine Veran­stal­tung durch­ge­führ­ten Evalua­tio­nen konti­nu­ier­li­che Evalua­tio­nen für jeden Veran­stal­tungs­ter­min möglich werden. Die hier­aus gene­rier­te detail­lier­te Rück­mel­dung kann von den Dozie­ren­den, u.a. dazu genutzt werden, um für die Studie­ren­de schwer nach­voll­zieh­ba­re Inhal­te zu iden­ti­fi­zie­ren und die Lehre noch während des laufen­den Semes­ters auf den Lern­fort­schritt der Studie­ren­den abzustimmen.

Digi­ta­li­sie­rung in der Verwaltung

Betrach­tet man die Verwal­tungs­land­schaft der Hoch­schu­len, lässt sich fest­stel­len, dass diese weiter­hin von einer Viel­zahl analo­ger Prozes­se sowie aufwen­di­ger Büro­kra­tie geprägt ist. Hier müssen umfas­sen­de Moder­ni­sie­rungs­maß­nah­men getrof­fen werden und die Digi­ta­li­sie­rung nicht als Gefahr, sondern Chan­ce verstan­den werden. Die Digi­ta­li­sie­rung der Verwal­tung soll insbe­son­de­re die Kommu­ni­ka­ti­on zwischen Studie­ren­den und Ämtern erleich­tern und beschleu­ni­gen. Dabei spielt die Verein­fa­chung komple­xer Behör­den­gän­ge zur Bean­tra­gung diver­ser Doku­men­te, z. B. bei den Prüfungs­äm­tern, Studie­ren­den­kanz­lei­en oder Prak­ti­kum­s­äm­tern, eine große Rolle. Beispiels­wei­se lassen sich Anträ­ge schnel­ler einrei­chen, Anmel­dun­gen zu Prüfun­gen durch­füh­ren und Infor­ma­tio­nen wie beispiels­wei­se Tran­skrip­te, Prüfungs­do­ku­men­te und Konto­aus­zü­ge abru­fen. Durch verschie­de­ne Syste­me, sowohl inner­halb einer Hoch­schu­le als auch zwischen den Hoch­schu­len, entste­hen kompli­zier­te und lang­wie­ri­ge Prozes­se, die durch ein einheit­li­ches Verfah­ren vermie­den werden könn­ten. Auch im Hinblick auf stets stei­gen­de Studie­ren­den­zah­len kann somit die Effi­zi­enz der Verwal­tung bei gleich­zei­ti­ger Service­ori­en­tie­rung verbes­sert werden. Beson­ders wich­tig ist dabei, alle betei­lig­ten Perso­nen­grup­pen, von Studie­ren­den über Verwal­tungs­an­ge­stell­te bis hin zu Lehren­den, von Anfang an über Neue­run­gen zu infor­mie­ren und gege­be­nen­falls Schu­lun­gen abzu­hal­ten, um die Umstel­lung von analo­gen auf digi­ta­len Prozes­sen möglichst effi­zi­ent zu gestalten.

Digi­ta­li­sie­rung in der Infrastruktur

Digi­ta­li­sie­rungs­pro­zes­se setzen eine funk­tio­nie­ren­de Infra­struk­tur voraus, diese bildet das tech­ni­sche Funda­ment, auf dem die Digi­ta­li­sie­rung ihr Poten­zi­al entfal­ten kann. Bei Reno­­vie­­rungs- sowie Neubau­pro­jek­ten fallen hier­un­ter sowohl einfa­che­re Maßnah­men wie die Instal­la­ti­on von Steck­do­sen und WLAN-Acces­s­­points, als auch weiter­füh­ren­de Maßnah­men wie zum Beispiel der Ersatz klas­si­scher Tafeln durch Smart­boards oder Lösun­gen in Form von Kombi­na­ti­on eines Stift-Einga­­be­­ge­rä­­tes wie Tablets und eines Darstel­lungs­me­di­ums, z.B. Beamer, oder die Einfüh­rung von intel­li­gen­ten Schließ­sys­te­men. So ließen sich mit IoT-Türschlös­­sen beispiels­wei­se Biblio­the­ken, Rech­ner­räu­me 24/7 betrei­ben und der perso­nel­le Aufwand redu­zie­ren. Grund­sätz­lich ist bei Biblio­the­ken, Hörsä­len sowie bei Lern- und Arbeits­räu­men auf eine zeit­ge­mä­ße Ausstat­tung zu achten wie zum Beispiel eine ange­mes­se­ne Raum­be­schal­lung in Hörsä­len oder die ausrei­chen­de elek­tro­ni­sche Ausstat­tung in den Räumlichkeiten.

Weiter­hin sehen wir die Notwen­dig­keit, dass Studie­ren­de, welche sich während ihres Studi­ums mit rechen­in­ten­si­ven Anwen­dun­gen und Werk­zeu­gen ausein­an­der­set­zen, Zugang zu Hoch­leis­tungs­rech­nern erhal­ten. Selbst­ver­ständ­lich sind hier­zu auch eine ausrei­chen­de Band­brei­te sowie Geschwin­dig­keit der zur Verfü­gung stehen­den Inter­net­an­bin­dung nötig.

Einen weite­ren Ansatz stel­len kolla­bo­ra­ti­ve Platt­for­men für Team­pro­jek­te, Vorle­sun­gen und Semi­na­re dar, welche zum Beispiel an Wissens­da­ten­ban­ken und ande­re Infor­ma­ti­ons­diens­te ange­bun­den werden können. Voll­stän­dig in die verschie­de­nen Berei­che der Lehre inte­griert, können diese als fakul­täts­über­grei­fen­der, verein­heit­lich­ter Service Dreh- und Anker­punkt der Lehre darstel­len. Es lassen sich zahl­rei­che Anwen­dungs­bei­spie­le für Platt­for­men dieser Art finden. So kann ein derar­ti­ges System unter ande­rem als Diskus­si­ons­fo­rum im Rahmen der Vorle­sun­gen und Semi­na­re dienen, um sich mit den gelern­ten Inhal­ten gemein­sam mit ande­ren Veran­stal­tungs­teil­neh­mern ausein­an­der­set­zen zu können. Auch wäre mit einer solchen Platt­form die einheit­li­che Verwal­tung von Vorle­sun­gen, Prüfun­gen sowie dazu­ge­hö­ren­den Mate­ria­li­en wie Aufga­ben und Skrip­te und letzt­lich das Mana­gen des eige­nen Studi­ums möglich.

Daten­schutz

Grund­sätz­lich ist die Wahrung der den Studie­ren­den nach der DSGVO zuste­hen­den Rech­te im Rahmen der Digi­ta­li­sie­rung der Hoch­schu­len in Bayern zu berück­sich­ti­gen. Insbe­son­de­re im Umgang mit sensi­blen Daten wie Anga­ben zur Person oder Infor­ma­tio­nen bezüg­lich Studi­en­fort­schritt wie Prüfungs­er­geb­nis­se ist beson­de­re Vorsicht gebo­ten. Der Zugang zu Daten dieser Art muss ausrei­chend gesi­chert sein und Studie­ren­de sollen trans­pa­rent über Möglich­kei­ten der Einschrän­kung sowie der Löschung nach Vorga­be der DSGVO unter­rich­tet werden.

Notwen­dig­keit einer Digitalstrategie

Damit die Anstren­gun­gen der baye­ri­schen Hoch­schu­len im Bereich der Digi­ta­li­sie­rung nach­hal­tig sind, fordern wir diese auf, eine für ihr jewei­li­ges Profil passen­de Digi­ta­li­sie­rungs­stra­te­gie unter Betei­li­gung aller Status­grup­pen zu erar­bei­ten. Diese Digi­ta­li­sie­rungs­stra­te­gie soll­te nach einer ausführ­li­chen Bedarfs­ana­ly­se Maßnah­men und Ziele in den genann­ten Berei­chen „Lehre“, „Verwal­tung“, „Infra­struk­tur“ und „Daten­schutz“ enthal­ten. Ein solcher stra­te­gi­scher Prozess stellt sicher, dass die Hoch­schu­len von den Möglich­kei­ten der Digi­ta­li­sie­rung opti­mal profi­tie­ren und erleich­tert die Kommu­ni­ka­ti­on der Verän­de­run­gen nach innen und außen.

Posi­ti­on

Landes-ASten-Konfe­renz Bayern
c/o Studie­ren­den­ver­tre­tung der LMU
Leopold­stra­ße 15
80802 München